Einleitung: Das Schicksal des Bartholomäus Hofer
Im Jahre 1696 gerät der Hammerschmied Bartholomäus Hofer aus Oberösterreich in den Strudel einer tragischen und gleichermaßen faszinierenden Geschichte. Der Besitzer der Hintermühl in der Nähe von Grein wird der Hexerei bezichtigt und in einem Prozess zum Tode verurteilt. Seine Geschichte bietet einen Einblick in die abergläubische Welt des 17. Jahrhunderts. Besonders bemerkenswert ist sein Besitz eines sogenannten Planetenbuches, das ihm zum Verhängnis werden sollte.
Das 17. Jahrhundert: Ein Zeitalter von Aberglauben und Hexenprozessen
Das 17. Jahrhundert ist in Europa geprägt von Unsicherheit und Angst. Krankheiten wie die Pest und Missernten lassen viele Menschen nach einfachen Erklärungen für die komplexen Probleme ihrer Zeit suchen. Der Aberglaube spielt eine zentrale Rolle im Alltag. Astrologie, Wahrsagerei und Hexenglaube durchdringen viele Lebensbereiche. In diesem Kontext entsteht auch die Praxis der Hexenprozesse, die ihre Höhepunkte in den Jahrzehnten zuvor erreicht hatte, jedoch noch immer für zahlreiche Todesopfer sorgt.
In der damaligen Gesellschaft werden Abweichungen vom üblichen Verhalten schnell verdächtigt. Ein Mann wie Bartholomäus Hofer, der ein mysteriöses Planetenbuch besitzt, erscheint in den Augen seiner Mitmenschen und Behörden als potenzieller „Hexer“. Das Buch enthält astrologische Berechnungen und Weissagungen – Aspekte, die von der Kirche und weltlichen Gerichten häufig mit schwarzer Magie gleichgesetzt werden.
Bartholomäus Hofer und das Planetenbuch
Das Planetenbuch, das Bartholomäus Hofer besitzt, ist ein Werk, das astrologische Vorhersagen und Interpretationen enthält. Diese Werke dienen im 17. Jahrhundert dazu, Ereignisse anhand der Konstellation von Planeten zu deuten. Darin finden sich z.B. Angaben, ob eine Krankheit genesen oder zum Tod führen wird, ob eine Heirat glücklich verlaufen wird oder ob eine bestimmte Unternehmung von Erfolg gekrönt sein könnte. Für viele Menschen ist ein solches Buch eine Orientierungshilfe, für die Obrigkeit jedoch ein Indiz für abergläubisches und ketzerisches Verhalten.
Bartholomäus Hofer nutzt das Planetenbuch vermutlich, um Entscheidungen in seinem Leben zu treffen oder seinen Mitmenschen Ratschläge zu geben. Diese Praxis wird ihm jedoch zum Verhängnis. Der Besitz eines solchen Buches reicht aus, um ihn in das Visier der Behörden zu bringen. Im Jahr 1698 wird Bartholomäus Hofer des Hexenwesens angeklagt.
Die Hinrichtung und die Nachwirkungen
Im Jahr 1697 wird das Urteil vollstreckt. Bartholomäus Hofer wird zu schweren Kerker verurteilt und letzten Endes enthauptet. Ein Schicksal, das damals als milder galt im Vergleich zur Verbrennung bei lebendigem Leib. Dennoch wird sein Körper anschließend verbrannt, vermutlich um sicherzustellen, dass keine „magischen Rückstände“ verbleiben. In der Herrschaftsakte der Herrschaft Greinburg ist folgendes zu lesen:

welcher […] in puncto sortilegio […] gefänglich angehalten und folgents auf ergangen richtliche guttachten durch das Schwerdt vom Leben zum Todt hingerichtet und sein Körper zu Aschen verprennet worden […]
Die Hinrichtung hinterlässt in der Gemeinde tiefe Spuren. Die Familie Hofer verliert ihren Vater und vermutlich auch ihr Ansehen und ihre wirtschaftliche Existenz.
Der Verkauf der Hintermühl: Ein neuer Anfang für Thomas Diringer
Nach Hofers Hinrichtung wird die Hintermühl 1698 verkauft. Der neue Besitzer ist Thomas Diringer. Der Erwerb bringt die Mühle wieder in Betrieb und sorgt dafür, dass sie ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaft bleibt.
Thomas Diringer heiratet später Elisabeth Stauder und wird dadurch zum Stiefvater von Adam Payreder, meinem 8-fach Urgroßvater. Diese genealogische Verbindung zeigt, wie stark historische Ereignisse wie Hexenprozesse und Besitzwechsel Familiengeschichten formen können. Der Weg von Bartholomäus Hofer bis zu Adam Payreder spannt sich über mehrere Generationen und Familien und zeigt, wie komplex und vielfältig genealogische Recherchen sein können.
Fazit: Eine tragische Geschichte im Spiegel der Zeit
Die Geschichte von Bartholomäus Hofer ist ein Beispiel für die Grausamkeiten des Hexenwahns im 17. Jahrhundert. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, wie viele spannende Geschichten in der Familienforschung stecken und wie viel man daraus lernen kann.
Quellen:
HA Greinburg, Brief- und Inventurprotokoll 1696-1698 (G290)
Räuber, Mörder, Teufelsbrüder; Die Kapergerbande 1649–1660 im oberösterreichischen Alpenvorland; online unter: https://homepage.univie.ac.at/martin.scheutz/website/wp-content/uploads/2014/10/71_Scheutz.pdf

