Mai 1, 2026

Nicht immer ist der Nikolaustag ein freudiges Ereignis – Die schreckliche Geschichte meines Ururgroßonkels

1. Einleitung: Ein düsteres Kapitel der Geschichte Himbergs

Am 7. Dezember 1868 erschüttert ein schrecklicher Mord das kleine Dorf Himberg bei Spitz an der Donau. Ein achtjähriger Junge wird brutal getötet – nicht etwa von einem Unbekannten, sondern von einem 18-jährigen Schneidergesellen, getrieben von Habgier. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, das Verbrechen und die Auswirkungen dieses tragischen Vorfalls.


2. Der Tatort: Himberg und seine Umgebung im Jahr 1868

Himberg, ein ruhiges Dorf umgeben von dichten Wäldern und hügeligen Landschaften, scheint im 19. Jahrhundert ein Ort zu sein, an dem das Leben langsam und friedlich verläuft. Das Dorf gehört zur Gemeinde Dunkelsteinerwald und zum Bezirksgericht Spitz, einem Verwaltungsbezirk, der für seine ländliche Beschaulichkeit bekannt ist. Doch die Abgeschiedenheit macht den Ort nicht weniger anfällig für schockierende Ereignisse.

Die Hügel und Wälder, werden zum Schauplatz eines grausamen Verbrechens, das die Dorfgemeinschaft erschüttert und bis heute in die Chronik der regionalen Geschichte eingegangen ist.


3. Die Vorgeschichte: Der Weg des jungen Josef Schipali

Es ist ein kalter Nachmittag am Sonntag, dem 6. Dezember 1868. Josef Schipali, ein aufgeweckter achtjähriger Junge, wird von seinem Vater mit einer einfachen Aufgabe betraut: Er soll nach Groß-Heinrichschlag gehen, nur eine Viertelstunde entfernt, um eine Unschlittkerze zu besorgen. Als Belohnung darf er sich um einen Kreuzer Bernzucker kaufen, den er mit einem Silbersechser bezahlen soll.

Mit dem Sechser in der Tasche macht sich Josef auf den Weg, ahnungslos, dass ihm bald das Leben genommen wird. Seine Begegnung mit B. Hoferek, einem jungen Mann, der erst kürzlich aus der Strafanstalt entlassen wurde, wird ihm zum Verhängnis.


4. Das Verbrechen: Die grausamen Details des Mordes

Hoferek begegnet Josef auf dem Weg und erfährt von dem Silbersechser in dessen Tasche. Gierig und ohne Skrupel schmiedet er einen teuflischen Plan. Er erzählt Josef, der „Nikolo“ sei unterwegs und deutet auf ein entferntes Fuhrwerk. Aus Angst folgt der Junge Hoferek auf einen abgelegenen Hügel namens „Hofriedl“.

Hier schlägt Hoferek zu. Er fordert das Geld, doch Josef weigert sich. Hoferek überwältigt den Jungen, drückt ihn zu Boden, stranguliert ihn mit einem Halstuch und fügt ihm mit einem Stein eine tödliche Kopfverletzung zu. Nachdem er den Sechser gestohlen hat, verlässt er den Tatort und kauft sich Tabak. Der kleine Josef bleibt allein im kalten Wintertod zurück.


5. Der Täter: Hoferek und sein Hintergrund

Hoferek ist ein Produkt widriger Umstände. Geboren als uneheliches Kind einer Dienstmagd, wächst er ohne feste Wurzeln auf. Geboren wird er im Findelhaus in Wien, bevor er bei Zieheltern in Gschwendt unterkommt. Bereits in jungen Jahren begeht er Diebstähle, für die er mehrfach verurteilt wird.

Seine Entlassung aus der Strafanstalt erfolgt nur wenige Wochen vor dem Mord. Hoferek ist nicht nur ein Täter, sondern auch ein Symbol für die damalige soziale Verwahrlosung der Zeit.


6. Die Ermittlungen: Die Suche nach dem Mörder

Als Josef bis zum Abend nicht nach Hause kommt, suchen die Dorfbewohner fieberhaft nach ihm. Hoferek selbst beteiligt sich an den Nachforschungen und gibt vor, nichts zu wissen. Erst unter Druck des örtlichen Gastwirts führt er die Suchenden zu dem Ort, an dem die Leiche des Jungen liegt.

Die Untersuchung des Mordes bringt grausame Details ans Licht. Hoferek gesteht schließlich die Tat, die er für einen einzigen Silbersechser beging – ein Verbrechen, das die Dorfgemeinschaft fassungslos zurücklässt.


7. Die Reaktionen der Öffentlichkeit und der Nachwelt

Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Zeitungen berichten über den grausamen Mord, und das jugendliche Alter von Täter und Opfer sorgt für Empörung und Trauer.

Auch Jahrzehnte später bleibt der Mord in Himberg ein Mahnmal dafür, wie Armut und Vernachlässigung Menschen in die Abgründe der Kriminalität treiben können.


8. Schlussfolgerung: Ein Blick auf die gesellschaftlichen Lehren

Der Mord an Josef Schipali ist mehr als eine grausame Tat. Er ist ein Fenster in die sozialen und gesellschaftlichen Probleme des 19. Jahrhunderts. Er zeigt, wie sehr Menschen von ihrem Umfeld geprägt werden und welche Rolle Armut, fehlende Bildung und mangelnde soziale Unterstützung bei der Entstehung von Verbrechen spielen.

Die Geschichte mahnt uns, die Schwächsten in der Gesellschaft nicht zu vergessen und ihnen Chancen für ein besseres Leben zu bieten.

Quellen:

Gemeinde-Zeitung: unabhängiges politisches Journal, Mi, 16. Dezember 1868, Seite 5, „ANNO/Österreichische Nationalbibliothek“, online unter: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=gem&datum=18681216&seite=5, letzter Aufruf: 6.12.2024

Linzer Abendbote: Zeitschrift für Stadt und Land, Fr, 11. Dezember 1868, Seite 3, „ANNO/Österreichische Nationalbibliothek“, online unter: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ote&datum=18681211&seite=3, letzter Aufruf: 6.12.2024

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert