Mai 1, 2026

Wie weit bistn?

Es ist wohl die häufigste Frage, die mir in Gesprächen über meine Ahnenforschung gestellt wird: „Wie weit bistn?“
Manchmal klingt sie neugierig, manchmal ungläubig – und oft schwingt mit, ob ich irgendwo auf Karl den Großen stoße. Die Antwort ist nicht ganz so einfach, denn bei den ältesten Vorfahren reden wir selten von exakten Geburtsdaten, sondern meist von berechneten Jahreszahlen: In vielen alten Kirchenbüchern steht beim Tod das Alter – zieht man dieses vom Sterbejahr ab, erhält man das ungefähre Geburtsjahr.

Ein Beispiel: Mein 10× Urgroßvater Thomas Wimhofer starb am 17. Jänner 1665 mit 82 Jahren → geboren um 1583.

Heute stelle ich meine TOP 4 vor – vier Menschen aus verschiedenen Linien unserer Familie, die in einer Zeit lebten, als Hexenprozesse noch stattfanden und der Dreißigjährige Krieg Europa erschütterte.


1) Thomas Wimhofer – 10× Urgroßvater

ca. 1583 – 17. Januar 1665, St. Oswald (Niederösterreich)

Thomas gehört zur Linie meines Großvaters Franz Wurzer. Geboren um 1583, erlebte er als junger Mann die Gegenreformation in Niederösterreich. Er starb hochbetagt mit 82 Jahren in St. Oswald – bemerkenswert für diese Zeit. Über seinen Beruf ist nichts genaueres überliefert; die Region war bäuerlich geprägt, das Dorfleben eng und gemeinschaftlich organisiert.

[Bild: Sterbeeintrag Thomas Wimhofer, St. Oswald 1665]


2) Thomas Payreder – 11× Urgroßvater

ca. 1588 – 6. März 1658, Leimlehen, St. Georgen am Walde (Oberösterreich)

Aus der Linie meines Großvaters Franz Payreder: Thomas starb 1658 im heutigen St. Georgen am Walde (Bezirk Perg). Geboren um 1588 erlebte er große Teile des Dreißigjährigen Krieges. Wahrscheinlich war er Bauer – wie die meisten in dieser Gegend.

[Bild: Sterbeeintrag Thomas Payreder, St. Georgen am Walde 1658]


3) Michael Selmann – 10× Urgroßvater

ca. 1574 – 11. Februar 1670, Weghof, Urthaleramt, St. Oswald (Niederösterreich)

Michael ist der älteste in dieser Runde – er wurde etwa 96 Jahre alt. Er lebte zuletzt im Weghof (Urthaleramt, St. Oswald) und war Amtsmann – also eine Art örtlicher Verwaltungs- und Aufsichtsbeamter. Er erlebte nicht nur den Dreißigjährigen Krieg, sondern den ganzen Übergang vom 16. ins 17. Jahrhundert mit Seuchen, Ernteausfällen und Glaubenskonflikten.

[Bild: Sterbeeintrag Michael Selmann, St. Oswald 1670 (mit Amtsmann-Vermerk)]


4) Margareta Hinterdorfer – 9× Urgroßmutter (Ehefrauenseite)

ca. 1598 – 8. November 1678, Mühlreith, Dorfstetten (Niederösterreich)

Margareta ist die älteste bekannte Vorfahrin meiner Frau – 9× Urgroßmutter in der Linie ihrer Großmutter Franziska Zemliczka, geb. Bichler. Sie starb 1678 mit 80 Jahren in Mühlreith bei Dorfstetten. Frauen trugen damals doppelt: Haus und Hof, Kinder und alternde Angehörige – und all das in einer unruhigen Zeit.

[Bild: Sterbeeintrag Margareta Hinterdorfer, Dorfstetten 1678]


Wie war die Zeit damals?

Um 1600 waren Nieder- und Oberösterreich Teil des Heiligen Römischen Reiches unter den Habsburgern. Die Gegenreformation prägte das religiöse Leben, Pfarren und Klöster waren zentrale Anker im Alltag. Die meisten Menschen arbeiteten in der Landwirtschaft, Wege waren beschwerlich, Nachrichten langsam.

Zwischen 1618 und 1648 verwüstete der Dreißigjährige Krieg viele Regionen. Nicht jede Schlacht erreichte die abgelegenen Täler, doch Truppendurchmärsche, Abgaben, Hunger und Seuchen spürten auch die Menschen in unseren Orten. In diesem Umfeld wurden unsere Vorfahren geboren, gründeten Familien – und hielten durch.


Ein Blick zurück – und nach vorn

Diese vier Namen sind nur ein paar Puzzleteile im großen Bild. Jeder steht für ein gelebtes Leben in einer anderen Welt – und doch führen die Linien direkt zu uns. Ob ich noch weiter zurückkomme? Vielleicht. Aber die Faszination liegt nicht nur im „Wie weit?“, sondern im „Wer?“ und „Wie?“.

Und du – wie weit bistn?

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